Ein gefährliches Defizit
Wenn die Ausgaben die Einnahmen übersteigen, beginnen jene, die die Geldbörse halten, sich ernsthaft zu sorgen. Genau diese klassische wirtschaftliche Zwickmühle spielt sich nun in den höchsten Machtzirkeln Russlands ab.
Führende Finanzbeamte in Russland schlagen Alarm wegen der explodierenden Kosten des Krieges in der Ukraine. Vertreter des Finanzministeriums und der Zentralbank sollen den Kreml gewarnt haben, dass die aktuellen Militärausgaben schlicht nicht aufrechtzuerhalten sind. Die Befürchtung: Das nationale Defizit könnte auf ein gefährliches Niveau getrieben werden.
Die Suche nach einer Lösung offenbart jedoch einen tiefen Riss innerhalb der russischen Führung. Während Finanzexperten dringend Ausgabenkürzungen fordern, drängen die Verantwortlichen im Verteidigungsbereich in die genau entgegengesetzte Richtung – sie verlangen noch mehr Mittel, um die Kriegsmaschinerie am Laufen zu halten.
Inmitten dieses Konflikts sitzt Wladimir Putin. Berichten zufolge wies der russische Präsident sein Finanzteam an, zunächst in anderen öffentlichen Bereichen zu kürzen – die Mittel für das Militär sollen dabei vollständig unangetastet bleiben.
Abhängigkeit vom Krieg
Eine Kürzung des Verteidigungshaushalts birgt enorme Risiken, denn die russische Wirtschaft ist tief mit dem Konflikt verwoben. Tausende lokale Fabriken überleben nahezu ausschließlich dank militärischer Aufträge. Wenn diese Gelder wegfallen, droht ein wirtschaftlicher Zusammenbruch.
Die aktuelle Krise wird durch eine massive Finanzierungslücke noch verschärft. Eingeweihte berichteten, dass Entscheidungsträger im zweiten Halbjahr 2026 mit einem Defizit von bis zu 1,5 Billionen Rubel rechnen.
Es gab eine Zeit, in der Moskau hoffte, dieses Schlamassel noch abwenden zu können. Beamte hatten erwartet, dass der Konflikt nach einem Gipfeltreffen zwischen Putin und dem damaligen US-Präsidenten Donald Trump im vergangenen August abflauen würde. Das hätte geordnete Haushaltskürzungen ermöglicht – doch diese Hoffnungen haben sich in Luft aufgelöst.
Russland auf dem Hochseil
Nun macht sich die wirtschaftliche Realität unerbittlich bemerkbar. Das russische Wirtschaftsministerium hat seine Wachstumsprognose für das laufende Jahr deutlich nach unten korrigiert – von ursprünglich 1,3 Prozent auf magere 0,4 Prozent.
Noch beunruhigender: Offizielle Daten zeigen, dass die Wirtschaft im ersten Quartal geschrumpft ist. Es handelt sich dabei um den ersten Rückgang seit drei Jahren – ein deutliches Signal dafür, dass das Land am Rande einer Rezession steht.
Dieser Abschwung hat den Kreml sichtlich aufgeschreckt. Im April forderte Putin öffentlich von seinen Beamten eine Erklärung, warum die Wirtschaft versagt habe – ein seltener Moment, der seine tiefe Frustration über die Lage deutlich offenbarte.













