Warum Tausende Touristen auf gefälschten Airbnb- und Booking-Seiten ihr Geld verlieren

Gefälschte Buchungsportale plündern den Urlaubsgeldbeutel

Während der Reisesaison überschwemmen betrügerische Webseiten das Internet – perfekte Kopien bekannter Buchungsplattformen, die bis ins kleinste Detail täuschen. Kriminelle ahmen das Design von Airbnb, Booking.com und Expedia so detailgetreu nach, dass selbst erfahrene Nutzer kaum einen Unterschied erkennen. Das Ergebnis: Urlauber verlieren ihre mühsam angesparten Reisemittel in Sekundenschnelle.

Besonders erschreckend ist, dass auch langjährige Online-Bucher regelmäßig in diese Fallen tappen. Das Risiko steigt deutlich kurz vor den Sommerferien, an verlängerten Wochenenden und rund um Großsportveranstaltungen, wenn die Nachfrage nach Unterkünften ihren Höhepunkt erreicht.

Cybersicherheitsexperten schlagen Alarm: Die Methoden der Betrüger entwickeln sich ständig weiter, und ihre Seiten sind heute kaum noch vom Original zu unterscheiden. Jahr für Jahr verlieren Tausende Reisende ihr Geld – häufig die gesamte für den Urlaub zurückgelegte Summe.

Plattformen wie Airbnb sind gezwungen, jährlich Tausende gefälschter Webseiten sperren zu lassen. Doch die Betrüger reagieren schneller, als die Seiten aus dem Netz genommen werden können. Deshalb ist es entscheidend, diese Fallen zu erkennen, bevor es zu spät ist.

So imitieren Betrüger Airbnb, Booking und Expedia

Das Grundprinzip ist immer dasselbe: Eine Seite oder Nachricht wird so gestaltet, dass sie auf den ersten Blick nicht vom Original zu unterscheiden ist – und das Opfer dazu gebracht wird, außerhalb des sicheren Plattformsystems zu bezahlen. Farben, Schriftarten, Logos und das gesamte Layout werden täuschend echt kopiert.

Ein eindrückliches Beispiel liefert der Fall eines britischen Ehepaares. Das Paar glaubte, eine Indien-Reise über Expedia zu buchen, und überwies rund 2.500 Pfund – knapp 2.900 Euro. Den Fehler bemerkten sie erst am Flughafen, als sich herausstellte, dass im offiziellen System keine Buchung auf ihren Namen existierte.

Die Betrüger hatten eine der Expedia-Seite nahezu identische Website erstellt und die Kunden zu einer Banküberweisung bewegt – womit das gesamte Sicherheitssystem der Plattform elegant umgangen wurde. Nach der Angebotsauswahl wurden die Nutzer in einen WhatsApp-Chat mit einem Konto umgeleitet, dessen Name eine Verbindung zur Plattform suggerierte.

Ein angeblicher Berater forderte anschließend eine Überweisung mit der Begründung eines „günstigeren Wechselkurses“ oder einer „schnelleren Buchungsbearbeitung“. Das Geld verschwand spurlos, und die geplante Reise blieb ein Traum. Ähnliche Fälle häufen sich in ganz Europa und betreffen zunehmend auch deutschsprachige Reisende.

Die Zahlen sprechen für sich: Tausende Opfer, durchschnittlicher Verlust von 2.700 Euro

Eine für Airbnb durchgeführte Studie liefert alarmierende Ergebnisse: Fast die Hälfte der befragten Franzosen war selbst Opfer eines solchen Betrugs oder kennt jemanden, der betroffen war. Der durchschnittliche finanzielle Schaden pro Person belief sich auf rund 2.700 Euro.

Airbnb gab zu, in einem einzigen Jahr mehr als 2.500 gefälschte Webseiten entfernen lassen zu müssen, die von Nutzern gemeldet worden waren. Das Ausmaß des Problems wächst weiter, da Kriminelle Reisende als leichte Zielgruppe betrachten. Experten bestätigen, dass die Angriffswellen vor den Sommerferien, an Ostern und rund um olympische Spiele besonders stark zunehmen.

Auch Booking.com, eine der größten Buchungsplattformen Europas, geriet verstärkt ins Visier der Cyberkriminellen. Verbraucherschutzorganisationen verzeichneten einen steilen Anstieg betrügerischer Versuche insbesondere rund um die Olympischen Spiele in Paris. Einige Berichte sprechen von einem Anstieg im dreistelligen Prozentbereich gegenüber dem Vorjahr.

Das Muster ist dabei fast immer identisch: Der Nutzer erhält eine E-Mail, die wie eine offizielle Nachricht von Booking.com wirkt. Der Absender verwendet eine Adresse, die der echten täuschend ähnlich sieht, und der Text enthält eine Aufforderung zur „verpflichtenden Zahlungsbestätigung“ oder eine Warnung vor einer „drohenden Stornierung“.

Die häufigsten Tricks gefälschter Buchungsseiten

Der enthaltene Link führt meist auf eine betrügerische Seite, auf der das Opfer Kartendaten oder Zugangsdaten eingeben soll. Ähnliche Methoden richten sich auch gegen Bahnreisende – im Umlauf sind etwa Angebote für stark vergünstigte Fahrkarten zu ungewöhnlich niedrigen Preisen.

Die Seite wirkt professionell, doch nach der Zahlung stellt sich heraus, dass der Käufer absolut nichts erhalten hat – und seine persönlichen Daten in den Händen von Kriminellen gelandet sind. Cybersicherheitsexperten haben die häufigsten Betrugsmaschen identifiziert:

  • E-Mails, die auf ein angebliches Zahlungsproblem hinweisen und sofortige Kartenbestätigung fordern
  • WhatsApp- oder Telegram-Nachrichten von angeblichen Plattform-„Beratern“
  • Angebote zur Banküberweisung mit dem Versprechen eines besseren Kurses oder schnellerer Abwicklung
  • Zeitdruck durch Hinweise auf das „letzte freie Zimmer“ oder ein „bald ablaufendes Angebot“
  • Links in E-Mails, die auf Domains mit minimalen Abweichungen vom Original führen
  • Fotos luxuriöser Apartments zu verdächtig niedrigen Preisen
  • Aufforderungen, eine Reisepass- oder Kreditkartenkopie per E-Mail zu senden

Jedes dieser Signale sollte sofort alle Alarmglocken läuten lassen. Echte Plattformen fordern niemals Zahlungen außerhalb ihres eigenen Systems und üben keinen Druck durch Stornierungsdrohungen aus.

So erkennen Sie eine gefälschte Buchungsseite

Einen Großteil der Angriffe lässt sich bereits im Keim ersticken, wenn Sie auf einige konkrete Details achten. Offizielle Plattformen betonen immer wieder, dass sämtliche legitimen Transaktionen ausschließlich über ihre Website oder App abgewickelt werden – niemals per privatem Banktransfer oder über einen Link aus einer Textnachricht.

Wenn Sie jemand auffordert, eine Unterkunft per Überweisung außerhalb von Airbnb, Booking.com oder Expedia zu bezahlen, ist das ein klares Warnsignal. Sicherheitsexperten empfehlen, bei jeder Buchung einige grundlegende Schritte zu beachten.

Geben Sie die Adresse der Plattform immer manuell in den Browser ein – klicken Sie niemals auf Links aus E-Mails oder Werbeanzeigen. Überprüfen Sie den genauen Domainnamen sorgfältig, denn ein einziger Buchstabendreher kann den Betrug verraten. Achten Sie auf das Schlosssymbol und das HTTPS-Protokoll, auch wenn das allein keine hundertprozentige Sicherheit bietet.

Lesen Sie Bewertungen zur Unterkunft und achten Sie auf die Anzahl sowie den Inhalt der Rezensionen. Meiden Sie Angebote, die im Verhältnis zur Lage und Ausstattung auffällig günstig erscheinen. Echte Apartments in der Innenstadt von Berlin, Wien oder München können schlicht nicht für 50 Euro pro Nacht angeboten werden.

Rückwärtssuche nach Bildern – ein praktisches Werkzeug für jeden Reisenden

Eine der wirksamsten Methoden zur Überprüfung von Angeboten ist die umgekehrte Bildersuche. Mit Tools wie Google Lens oder ähnlichen, in Browsern integrierten Funktionen lässt sich schnell herausfinden, auf wie vielen Webseiten ein bestimmtes Wohnungs- oder Zimmerfoto bereits auftaucht.

Erscheinen identische Bilder gleichzeitig auf mehreren Seiten mit unterschiedlichen Beschreibungen, Adressen oder Eigentümernamen, haben Sie ein starkes Warnsignal vor sich. Betrüger stehlen nämlich routinemäßig Fotos echter Immobilien und erstellen darauf aufbauend erfundene Inserate.

Auf dem Smartphone genügt es, das Foto länger gedrückt zu halten und die Bildersuche-Option auszuwählen. Zeigt Google Dutzende identischer Fotos auf verschiedenen Seiten mit unterschiedlichen Standorten an, handelt es sich mit großer Wahrscheinlichkeit um Betrug. Der gesamte Vorgang dauert nur wenige Sekunden und kann Sie vor erheblichen finanziellen Verlusten bewahren.

Was tun, wenn das Geld bereits überwiesen wurde?

Viele Menschen bemerken, dass sie Opfer eines Betrugs geworden sind, erst bei ihrer Ankunft am Zielort – wo keine Unterkunft auf sie wartet. Andere entdecken unberechtigte Abbuchungen auf ihrer Karte erst einige Tage nach der Dateneingabe auf einer verdächtigen Seite. In einem solchen Moment ist Zeit die wertvollste Ressource.

Kontaktieren Sie sofort Ihre Bank und melden Sie die verdächtige Transaktion. Beantragen Sie die Sperrung Ihrer Karte oder Ihres Kontos und lassen Sie alle weiteren Vorgänge prüfen. Informieren Sie außerdem die Plattform, unter deren Identität die Betrüger aufgetreten sind, und melden Sie die gefälschte Website.

Erstatten Sie Anzeige bei der Polizei oder der zuständigen Stelle für Cyberkriminalität. Leider sind Finanzinstitute nicht immer in der Lage, Überweisungen rückgängig zu machen – in vielen Fällen hat das Opfer die Transaktion selbst genehmigt, sodass die Bank sie automatisch als bewusste Handlung wertet.

Dennoch lohnt sich der Versuch, denn manchmal gelingt es, das Geld aufzuhalten, bevor es auf Zwischenkonten weitergeleitet wird. Experten von Verbraucherschutzorganisationen empfehlen dringend, die gesamte Kommunikation zu dokumentieren, Screenshots zu speichern und ohne unnötigen Zeitverlust zu handeln.

Sicherer reisen: Konkrete Tipps für deutschsprachige Nutzer

Deutsche, österreichische und Schweizer Touristen nutzen dieselben Dienste und sind exakt denselben Bedrohungen ausgesetzt wie Reisende weltweit. Es lohnt sich daher, einige Gewohnheiten zu entwickeln, die das Risiko tatsächlich senken. Buchen Sie ausschließlich über die offizielle App, heruntergeladen aus einem vertrauenswürdigen App-Store – niemals über einen Link aus einer unbekannten Quelle.

Aktivieren Sie die Zwei-Faktor-Authentifizierung für Ihr Konto, was Betrügern den Zugang erheblich erschwert, selbst wenn Ihr Passwort gestohlen wurde. Legen Sie Limits für die Karte fest, die Sie für Online-Zahlungen verwenden. Erwägen Sie für teurere Buchungen eine separate Karte oder eine virtuelle Einmalkarte, die heute von den meisten Banken angeboten wird.

Führen Sie die gesamte Kommunikation mit dem Unterkunftsanbieter ausschließlich über das interne Nachrichtensystem der jeweiligen Plattform. Sobald jemand vorschlägt, auf WhatsApp, Telegram oder E-Mail zu wechseln, sollten Sie hellhörig werden. Echte Plattformen üben niemals Druck aus, indem sie mit sofortiger Stornierung drohen, wenn Sie nicht innerhalb weniger Minuten auf einen Link klicken.

Starker Zeitdruck in einer Nachricht ist fast immer ein Zeichen dafür, dass jemand versucht, an Ihre sensiblen Daten zu gelangen. Denken Sie daran: Der Schutz Ihres Geldes beginnt bei Ihnen selbst – nicht erst bei der Bank oder der Plattform.

Author

  • Anja Klein ist eine professionelle Journalistin und Fotografin, die ihr Hobby zu einem groß angelegten Medienprojekt ausgebaut hat. Sie kaufte einen typischen deutschen „Klassischen Schrebergarten“ (ein kleines Mietgrundstück innerhalb der Stadtgrenzen) und dokumentiert seitdem jeden Schritt seiner Umgestaltung. Ihr Blog vereint visuelle Inspiration mit akribischer Praxis.

Scroll to Top