Der Pazifik erwärmt sich rasant – und Forscher schlagen Alarm
Neueste Analysen von Ozeanografen und Meteorologen zeigen eine fundamentale Veränderung im tropischen Pazifik. Die kalte ENSO-Phase schwächt sich schneller ab als erwartet, und steigende Meeresoberflächentemperaturen ebnen den Weg für eine Rückkehr von El Niño – möglicherweise schon im Laufe des Jahres 2026.
Etwa zwei Jahre lang dominierte ein kühles Regime über dem äquatorialen Pazifik. Jetzt ändert sich das in rasantem Tempo. Experten aus klimatologischen Forschungszentren beobachten, wie sich die Gewässer in der Äquatorzone mit einer Geschwindigkeit erwärmen, die die meisten Modellvorhersagen übertrifft. Für zahlreiche Regionen weltweit könnte das deutliche Verschiebungen bei den Niederschlagsmustern, neue Dürreperioden und eine weitere Serie von Temperaturrekorden bedeuten.
Die Zahlen sprechen für sich: Die Kältephase verschwindet
Die Weltorganisation für Meteorologie der Vereinten Nationen stellte fest, dass die Oberflächentemperatur des Pazifiks in der Äquatorzone im Dezember 2025 noch rund 0,8 °C unter dem langjährigen Durchschnitt lag. Nur einen Monat später war diese Abweichung auf gerade einmal 0,3 °C zusammengeschmolzen. Dieser ungewöhnlich schnelle Sprung in Richtung neutraler Temperaturen ist ein eindeutiges Signal dafür, dass die Kältephase deutlich früher zurückgeht als von Wissenschaftlern erwartet.
Für die Bevölkerung hat das handfeste Konsequenzen: Die Wetterextreme der vergangenen Jahre könnten nicht nur anhalten, sondern sich in manchen Regionen sogar verschärfen.
Die Hauptursache liegt in der Abschwächung der Passatwinde – jener beständigen Winde, die entlang des Äquators von Ost nach West wehen. Sind sie kräftig, halten sie kälteres Wasser an der Oberfläche des östlichen Pazifiks. Sobald sie an Intensität verlieren, steigen wärmere Wassermassen aus tieferen Schichten auf und breiten sich zunehmend über größere Teile des Ozeans aus. Dieser Mechanismus löst dann eine Kette atmosphärischer Veränderungen aus, deren Folgen praktisch alle Kontinente spüren.
Was sich unter der Oberfläche abspielt: Wärmespeicher drängen nach Osten
Messungen mithilfe von Treibbojen und Satellitendaten bestätigen einen grundlegenden Umbau der Temperaturbedingungen im tropischen Pazifik. Die ENSO-Kältephase wirkte in den vergangenen rund zwei Jahren wie eine sanfte Bremse auf die globale Erwärmung. Nun verliert diese Bremse ihre Wirkung.
Daten aus dem späten Jahr 2025 und vom Beginn des Jahres 2026 dokumentieren eine rasche Erwärmung der äquatorialen Gewässer. Forscher führender Klimazentren verzeichnen eine steigende Wahrscheinlichkeit, dass das System bereits im Frühjahr 2026 in einen neutralen Zustand übergeht. Prognosen deuten auf eine Wahrscheinlichkeit von etwa 60 bis 70 Prozent für einen neutralen ENSO-Zustand im Frühjahr 2026 hin – und ein neutraler Zustand ist typischerweise die Vorstufe eines späteren Übergangs zu El Niño.
Diese Entwicklung hat direkte wirtschaftliche Auswirkungen. Veränderungen im Pazifik beeinflussen nämlich Lebensmittelpreise, die Verfügbarkeit von Trinkwasser und Energiekosten. Reis aus Südostasien, Kaffee aus Südamerika oder Zucker – all das könnte teurer werden, wenn sich in wichtigen Anbauregionen das Niederschlagsregime verändert.
Warmes Wasser unter der Oberfläche treibt das System Richtung El Niño
Eines der bedeutsamsten Warnsignale sind die Temperaturveränderungen unterhalb der Meeresoberfläche. Seit Januar 2026 registrieren Messgeräte deutlich wärmere Wassermassen, die sich in Richtung Osten – zu den Küsten Südamerikas – bewegen. Diese sogenannten subsurface Wärmespeicher steigen allmählich an die Oberfläche auf.
Sobald sie den mittleren und östlichen Teil des tropischen Pazifiks erreichen, können sie den klassischen El-Niño-Mechanismus auslösen. Überdurchschnittlich warmes Wasser, das eine riesige Ozeanfläche bedeckt, verändert dann die atmosphärische Zirkulation grundlegend. Internationale Klimazentren verzeichnen eine wachsende Wahrscheinlichkeit, dass der vollständige Übergang zur El-Niño-Phase in der zweiten Jahreshälfte 2026 eintritt.
Wissenschaftler betonen dabei, dass die Intensität des bevorstehenden Ereignisses entscheidend für das Ausmaß der Auswirkungen sein wird. Derzeit wird eher eine schwache bis moderate Episode erwartet, und ein extrem starkes Ereignis, vergleichbar mit rekordverdächtigen Jahrgängen, gilt als unwahrscheinlich. Dennoch kann auch ein solches Ereignis Niederschlagsmuster und Temperaturrekorde rund um den Globus verschieben.
Zwei Drittel Wahrscheinlichkeit für El Niño bis Ende 2026
Die numerischen Prognosen der Klimaforscher sind derzeit bemerkenswert einheitlich. Zentren, die den ENSO-Zustand beobachten, schätzen, dass die Wahrscheinlichkeit eines El Niño im Zeitraum Juli bis September 2026 die Marke von 60 Prozent überschreiten wird. Für das Intervall August bis Oktober steigt diese Wahrscheinlichkeit auf nahezu 70 Prozent.
Experten weisen darauf hin, dass der Frühling traditionell eine „problematische“ Jahreszeit für ENSO-Vorhersagen ist. Zwischen März und Juni verhält sich das Ozean-Atmosphären-System besonders instabil, was die Zuverlässigkeit der Modelle verringert. Trotz dieser sogenannten Frühjahrsbarriere der Vorhersagbarkeit zeigt die überwältigende Mehrheit der verfügbaren Simulationen in eine Richtung – hin zu einer Erwärmungsphase.
Was bedeutet das in der Praxis? Für Landwirte in Peru oder Ecuador meist günstigere Bedingungen durch höhere Niederschläge. Gleichzeitig jedoch leiden indonesische Anbauer und die Bevölkerung auf den Philippinen unter Regenmangel, austrocknenden Reservoirs und Problemen bei der Wasserversorgung. Für Deutschland und Mitteleuropa bedeutet das ein weiteres sehr heißes Sommer sowie ein erhöhtes Risiko, dass lange Trockenphasen mit heftigen Gewitterstürmen abwechseln.
Wie El Niño das Wetter weltweit verändert
El Niño ist keineswegs eine „lokale“ Angelegenheit eines einzigen Ozeans. Der ausgedehnte Fleck übermäßig warmen Wassers über dem äquatorialen Pazifik funktioniert wie ein gigantischer Wärmemotor, der die globale atmosphärische Zirkulation umstrukturiert. Die Folgen spüren die Menschen auf praktisch allen Kontinenten.
- Westküste Südamerikas – in der Regel intensivere Niederschläge, häufigere Sturzfluten und Erdrutsche
- Südostasien und Australien – Tendenz zur Trockenheit, erhöhtes Risiko von Wald- und Steppenbränden
- Ostafrika – in vielen El-Niño-Episoden verstärkte Regenfälle, die Ernte und Infrastruktur belasten
- Tropischer Atlantik – Abschwächung der Hurrikansaison, da stärkere vertikale Strömungen in der Höhe die Entstehung von Zyklonen stören
- Östlicher Pazifik – im Gegensatz dazu höhere Hurrikan- und Tropengewitter-Aktivität an der amerikanischen Küste
- Mitteleuropa einschließlich Deutschland – überdurchschnittliche Temperaturen, längere Hitzewellen und ein Wechsel zwischen Dürre und Starkregen
Für Verbraucher in Deutschland kann das Preissteigerungen bei Reis, Soja oder Kaffee bedeuten, falls Dürre wichtige Anbauregionen der Welt trifft. Eine ruhigere Hurrikansaison im Atlantik hingegen beeinflusst die Sicherheit der Öl- und Gasinfrastruktur, was sich letztlich auf die Energiepreise auswirkt.
Rekordwärme trotz Kältephase – was das für die Zukunft bedeutet
Die beunruhigendste Erkenntnis betrifft das Zusammenspiel natürlicher ENSO-Zyklen mit der langfristigen globalen Erwärmung. Der Januar 2025 ging als wärmster jemals gemessener Januar in die Klimageschichte ein – und das, obwohl über dem Pazifik noch eine Kältephase herrschte.
Theoretisch sollte eine Kältephase die durchschnittliche Planetartemperatur um etwa 0,1 bis 0,2 °C senken. In der Praxis zeigte sich, dass dieser Effekt zu schwach ist, um Temperaturrekorde nach unten zu drücken. Das globale Klima ist durch Treibhausgase bereits so stark überhitzt, dass selbst eine vorübergehende Kälteepisode den Trend nicht umkehren kann – sie dämpft ihn allenfalls leicht.
Die Rückkehr von El Niño im Jahr 2026 fügt dem noch eine weitere Schicht hinzu. Dieses Phänomen erhöht die globale Durchschnittstemperatur statistisch gesehen um weitere Zehntelgrade. In Kombination mit der anhaltenden Grunderwärmung gehen Wissenschaftler davon aus, dass das Jahr 2026 die bisherigen Rekordjahre in der Messgeschichte egalisieren oder sogar übertreffen könnte.
Der größte Teil der überschüssigen Wärmeenergie, die durch Treibhausgase erzeugt wird, landet in den Ozeanen. Diese bremsen bislang noch einen noch schnelleren Temperaturanstieg über den Landmassen – sie funktionieren jedoch wie ein riesiger Langzeitakku, der sich ständig weiter auflädt. Warme Gewässer in den Tropen nähren immer intensivere Ereignisse: stärkere Starkregen, mächtigere Zyklone und längere Hitzewellen auf den Kontinenten.
Jeder neue Warmzyklus über dem Pazifik startet von einer höheren Basistemperatur als der vorherige. Kältephasen gleichen den Gesamterwärmungstrend immer weniger aus. Für Klimaforscherteams, die mit komplexen Modellen arbeiten, ist das ein klarer Beleg dafür, dass natürliche Variabilität den Einfluss menschlicher Aktivitäten nicht mehr kompensieren kann.
Warum jeder die ENSO-Prognosen im Blick behalten sollte
Das Kürzel ENSO klingt vielleicht technisch, macht sich aber in sehr konkreten Dingen bemerkbar: in Lebensmittelpreisen im Supermarkt, in Energierechnungen und in der Verfügbarkeit von Trinkwasser. Eine schlechtere Ernte in Asien verteuert Reis oder Soja, Überschwemmungen in Südamerika treffen den Kaffee- und Zuckermarkt. Eine ruhigere Hurrikansaison im Atlantik beeinflusst wiederum die Sicherheit der Energieinfrastruktur.
In vielen Ländern ist die Debatte über das bevorstehende El Niño längst keine rein wissenschaftliche mehr – sie ist Teil der wirtschaftlichen Planung geworden. Für Menschen in Deutschland ist zumindest ein grundlegendes Verständnis wichtig: Globale Temperaturanstiege und natürliche Zyklen wie ENSO wirken nicht getrennt voneinander – sie verstärken sich gegenseitig.
Jede Warmphase über dem Pazifik vertieft Tendenzen, die wir heute bereits beobachten: längere Hitzewellen, tropische Nächte ohne Abkühlung, extreme Regenfälle im Wechsel mit Trockenheit. Die ENSO-Lage zu verfolgen ist daher kein Hobby für Wetterbegeisterte. Es ist ein praktisches Instrument, das dabei hilft einzuschätzen, wie sich Wetter und Klima in den kommenden Monaten entwickeln könnten – auch aus der Perspektive Mitteleuropas und für alltägliche Entscheidungen, vom Wassermanagement bis hin zu Investitionen und Energieverbrauch.













