Zusammenziehen kann eine Trennung deutlich teurer machen

Gemeinsame Haushalte machen Trennungen komplizierter

Wer zusammenzieht, baut ein gemeinsames Zuhause oft durch viele kleine Anschaffungen auf – keine großen Vermögenswerte, sondern alltägliche Dinge. Doch genau diese können nach einer Trennung zum echten Problem werden.

Ein Sofa, ein Bett, ein Teppich oder eine Waschmaschine wirken zunächst harmlos. Nach dem Ende einer Beziehung jedoch werden selbst solche Gegenstände zur Streitfrage – mit finanziellen und emotionalen Folgen, die viele unterschätzen.

Viele schieben Trennungen wegen der Kosten hinaus

Eine Umfrage unter 3.000 Personen ergab, dass jeder fünfte Brite zwischen 18 und 40 Jahren eine Trennung hinausgezögert hatte – schlicht weil das gemeinsame Wohnen die laufenden Kosten erträglicher machte. Wenn Mieten, Kautionen und Ersatzmöbel teuer sind, verliert man beim Auszug weit mehr als nur eine gemeinsame Adresse.

Die Verluste können erheblich sein

Jade, 32 Jahre alt, verließ das Haus in Bedfordshire, das sie fünf Jahre lang mit ihrem Partner geteilt hatte. Sie nahm lediglich einen Schreibtisch mit, den sie eindeutig als ihren betrachtete.

Kühlschrank, Waschmaschine und zahlreiche gemeinsam gekaufte Möbel ließ sie zurück. Den finanziellen Verlust schätzte sie auf knapp 5.000 Pfund. Sogar ihr eigenes Bett – das sie bereits vor der Beziehung besessen hatte – blieb im Haus, weil es sich schlicht zu unangenehm anfühlte, es mitzunehmen.

„Es fühlte sich seltsam an zu sagen: Ich verlasse dich und nehme dabei auch noch das Bett unter dir weg“, erklärte sie.

Auch ein Kerzenhalter in Form eines Blauwal-Hais, den das Paar gemeinsam ausgesucht hatte, blieb zurück. Jade wollte daraus keinen weiteren Streitpunkt machen.

Mieter haben kaum Alternativen

Bei Mietverhältnissen gibt es weder einen Hausverkauf noch eine formelle Vermögensaufteilung. Entscheidungen fallen schnell – oft während eine Person Konflikte vermeiden oder so rasch wie möglich ausziehen möchte.

Becca, 35, zog aus einer Mietwohnung aus, in der sie glücklich mit ihrer Freundin gelebt hatte. Sie wollte bestimmte Möbel einlagern, anstatt sie wegzugeben. Doch ihre Partnerin interpretierte das als Zeichen, dass Becca sich innerlich bereits auf das Ende der Beziehung vorbereitete. Letztendlich verkaufte Becca einige Stücke und ließ andere einfach zurück.

Als die Beziehung wenige Monate später tatsächlich endete, schätzte sie ihren Gesamtverlust auf rund 3.000 Pfund – inklusive Möbeln für ihre alte Wohnung und Gegenständen, die sich nicht mehr verkaufen ließen.

Besonders schmerzte sie der Verlust eines Vitrinenschranks, den sie als Abschlussgeschenk von ihrer Mutter erhalten hatte.

„Man kann ihn ersetzen – ich könnte ihn wieder kaufen – aber er ist sehr teuer“, sagte sie. „Ich bereue es wirklich, denn ich hatte ihn immer haben wollen.“

Unangenehme Nachfragen bleiben lange im Gedächtnis

Emily, 30, berichtete, dass die meisten Möbel in der gemeinsamen Wohnung ursprünglich ihr gehört hatten. Nach der Trennung mussten sie und ihr Ex-Freund aufgrund des laufenden Mietvertrags noch eine Zeit lang zusammenwohnen – eine belastende Situation.

Ihr ehemaliger Partner bat darum, mehrere Gegenstände behalten zu dürfen. Die meisten Wünsche lehnte Emily ab, stimmte jedoch zu, dass er einen großen Teppich ihrer Tante mitnehmen durfte – weil er sie zu stark an die Beziehung erinnerte.

„Ich verband ihn wirklich mit der Wohnung“, sagte sie.

Als ihre Tante später nachfragte, wo der Teppich geblieben sei, begann Emily zu zweifeln. Ihn zurückzufordern würde bedeuten, ihren Ex aus einem sehr spezifischen Grund kontaktieren zu müssen.

„Entschuldigung – kann ich meinen Teppich zurückhaben?“, sagte sie mit einem Seufzen.

Rechtliche Auseinandersetzungen lohnen sich kaum

Matt, 45, schilderte, dass seine frühere Freundin beim Auszug aus der gemeinsamen Wohnung mehrere Gegenstände mitnahm, die er als sein Eigentum betrachtete. Er entschied sich bewusst, nicht darum zu kämpfen.

„Das neue Kapitel ist so viel wichtiger“, sagte er.

Der Familienrechtsanwalt James Davies erklärte, dass unverheiratete Paare beim Streit um Haushaltsgegenstände – im Gegensatz zu Immobilien – nur sehr begrenzten rechtlichen Schutz genießen.

„Der rechtliche Rahmen ist grob unzureichend und extrem schwer zu navigieren“, so Davies.

Er wies darauf hin, dass die Anwaltskosten den Wert der strittigen Gegenstände schnell übersteigen können. Mediation oder ein Partnerschaftsvertrag seien in vielen Fällen deutlich sinnvoller, als nach einer Trennung zu versuchen, Eigentumsrechte nachträglich zu klären.

Author

  • Anja Klein ist eine professionelle Journalistin und Fotografin, die ihr Hobby zu einem groß angelegten Medienprojekt ausgebaut hat. Sie kaufte einen typischen deutschen „Klassischen Schrebergarten“ (ein kleines Mietgrundstück innerhalb der Stadtgrenzen) und dokumentiert seitdem jeden Schritt seiner Umgestaltung. Ihr Blog vereint visuelle Inspiration mit akribischer Praxis.

Scroll to Top