Putins Verbündeter behauptet, ein „großes“ Ziel in der Ukraine zu haben – mit genauen Koordinaten

Ein verbaler Krieg tobt bereits

Auch wenn belarussische Truppen bislang nicht direkt in den Konflikt eingetreten sind, herrscht zwischen Minsk und Kiew längst ein erbitterter Schlagabtausch auf diplomatischer Ebene. Die Worte werden schärfer – und die Drohungen konkreter.

Ukraines Liste mit 500 Zielen

Robert Brovdi, Kommandeur der ukrainischen Streitkräfte für unbemannte Systeme, erklärte vergangene Woche, dass die Ukraine bereits 500 Ziele auf belarussischem Territorium identifiziert habe – für den Fall, dass sich Lukaschenko auf die Seite Russlands schlage. Sein Rat an den belarussischen Machthaber fiel dabei unmissverständlich aus: „Setzen Sie sich nicht ins Visier der Ukraine.“

Eine offizielle Bestätigung, dass Belarus tatsächlich in den Krieg eintreten wird, gibt es weiterhin nicht. Dennoch lässt Lukaschenko keine Gelegenheit aus, seinerseits zu signalisieren, dass auch Minsk im Hintergrund nicht untätig ist.

Ein einziges, aber bedeutendes Ziel

Am 31. Mai meldete sich Aleksandr Lukaschenko persönlich zu Wort und konterte Brovdis Aussagen auf bemerkenswerte Weise. Der belarussische Machthaber behauptete, Minsk habe seinerseits ein einziges, aber äußerst bedeutsames Ziel im Visier – mit exakten Koordinaten.

„Sie mögen vielleicht 500 Ziele identifiziert haben“, so Lukaschenko. „Aber wir haben ein großes Ziel mit genauen Koordinaten, und es liegt sehr nah an der belarussischen Grenze. Das wissen sie auch.“

Darüber hinaus beleidigte er die entlang der Grenze stationierten ukrainischen Soldaten und bezeichnete sie abwertend als „Kanonenfutter“.

Eine gefährliche Grenzlinie

Gleichzeitig spielte Lukaschenko Warnungen des ukrainischen Präsidenten Selenskyj vor einem direkten Militärangriff vom belarussischen Territorium aus herunter. Er argumentierte, die ukrainischen Streitkräfte hätten kein Interesse an einem weiteren Kriegsschauplatz.

„Das ukrainische Militär will keinen Krieg mit Belarus – das weiß ich mit Sicherheit“, betonte der belarussische Staatschef. „Denn sie wissen, dass das weitere tausend Kilometer Frontlinie bedeuten würde, eine zusätzliche Grenze – und keine einfache dazu. Brauchen sie das? Nein.“

Dramatisch veränderte Lage seit 2019

Das Verhältnis zwischen den beiden Staatschefs hat sich seit ihrem letzten persönlichen Treffen im Oktober 2019 grundlegend gewandelt. Damals konnte noch niemand ahnen, dass Russland knapp drei Jahre später belarussisches Territorium als Ausgangspunkt für den ersten Angriff auf Kiew zu Beginn des Jahres 2022 nutzen würde.

Die aktuelle Eskalation der Rhetorik zeigt, wie fragil die Lage an der belarussisch-ukrainischen Grenze nach wie vor ist – und wie schnell verbale Drohungen eine gefährliche Eigendynamik entwickeln können.

Author

  • Anja Klein ist eine professionelle Journalistin und Fotografin, die ihr Hobby zu einem groß angelegten Medienprojekt ausgebaut hat. Sie kaufte einen typischen deutschen „Klassischen Schrebergarten“ (ein kleines Mietgrundstück innerhalb der Stadtgrenzen) und dokumentiert seitdem jeden Schritt seiner Umgestaltung. Ihr Blog vereint visuelle Inspiration mit akribischer Praxis.

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