5 der schädlichsten Geschenke, die deutsche Familien finanziell ruinieren

Schulden im Geschenkpapier verpackt

Kurz vor den Feiertagen füllen sich die Einkaufszentren mit Menschen, die immer wieder dieselben Dinge in den Einkaufswagen legen: riesige Fernseher auf Raten, Smartphones mit dem Aufdruck „nur heute“, luxuriöse Geschenksets. Sie hetzen, schämen sich ein wenig, und in ihren Köpfen dreht sich eine einzige Frage: „Kann ich mir das überhaupt leisten?“

Die Kassiererin bietet eine Zusatzversicherung an, die Bank schickt verlockende SMS über Kredite, und wir tun so, als wäre alles in Ordnung. Schließlich ist es ja nur einmal im Jahr. Dann kommt der Januar. Er bringt Stille, Kontoauszüge und dieses leise Gefühl des Bedauerns — nicht gegenüber anderen, sondern gegenüber sich selbst.

Das klassische Bild eines schlechten Geschenks ist ein Parfüm, das nicht passt, oder ein Pullover mit Rentier-Motiv. Das eigentliche finanzielle Drama beginnt, wenn ein Geschenk bezaubernd aussieht, viel Geld kostet, ein begeistertes „Wow“ auslöst — und dann still und leise das Familienbudget über Monate hinweg auffrisst. Das ist keine Frage des schlechten Geschmacks mehr. Das ist eine Finanzmine.

Menschen nehmen Kredite auf für eine Spielekonsole für das Kind, für eine Goldkette zum 18. Geburtstag, für ein Telefon, dessen Akku aufgibt, bevor es abbezahlt ist. Das Paradox ist grausam: Die Freude über das Geschenk verfliegt schnell, die Raten laufen zwei Jahre lang. Das ganze Weihnachtszauber verwandelt sich in eine Excel-Tabelle.

Nehmen wir Markus, einen 36-jährigen Logistiker mit zwei Kindern. Er hat eine große Schwäche — er möchte seinen Kindern alles geben, was seine eigenen Eltern ihm nicht geben konnten. Im Dezember kauft er auf Raten eine Konsole, ein Fahrrad und ein neues Handy für seine Frau. Insgesamt fast 4.200 Euro, aber „nur“ 300 Euro pro Monat — und so lässt er sich überreden. Nach Neujahr kommen die Mieterhöhung, die Stromrechnung und eine unerwartete Zahnarztrechnung. Diese 300 Euro hängen plötzlich wie eine Eisenkugel am Bein. Er greift zur Kreditkarte, um „bis zum Gehalt durchzukommen“. Ein Jahr später ist er 2.600 Euro im Minus und hat einen festen Vorsatz: nie wieder.

Der Mechanismus ist simpel. Ein Geschenk soll starke Gefühle wecken — und Gefühle im Geschäft sind das genaue Gegenteil von kühlem Nachdenken über das Budget. Händler wissen das sehr gut. Raten „0 Prozent“, Kredit „aus der Hand“, „jetzt kaufen, in drei Monaten zahlen“ — alles zielt auf ein einziges Ziel: Hört auf zu rechnen. Hinter den meisten dieser Entscheidungen steckt kein Leichtsinn, sondern das tiefe Bedürfnis, ein guter Elternteil, Partner oder Freund zu sein. Genau aus diesem Bedürfnis heraus entstehen finanzielle Katastrophen, verpackt in Weihnachtsdeko.

Fünf Geschenke, die das Portemonnaie leerräumen

Das erste ist ein Symbol unserer Zeit: ein teures Smartphone, „weil es alle haben“. In der Praxis handelt es sich um ein Gerät für 400 bis 600 Euro, das über einen Tarif abbezahlt wird, der monatlich 8 bis 12 Euro mehr kostet. Nach einem oder zwei Jahren wird das Telefon langsamer und nervt — aber man zahlt immer noch. Und was noch schlimmer ist: Solche Geschenke vermehren sich gern. Wenn das ältere Kind ein teures Modell bekommt, „muss“ das jüngere etwas Ähnliches haben. Aus einer Geste wird eine Familie voller Mobilfunkverträge, aus der man sich kaum befreien kann.

Die zweite Falle ist luxuriöser Schmuck und Uhren, die „der Wirkung wegen“ gekauft werden. Wir reden nicht von einem symbolischen Armband, sondern von Geschenken im Wert eines oder zwei Monatslöhne. Die landen meistens in der Schublade, werden ein paarmal im Jahr herausgeholt — und jeden Monat wird ein Verbraucherkredit abgestottert. Der dritte Typ sind exotische Pauschalreisen „all inclusive“ als Überraschung, die mit der Kreditkarte bezahlt wurden, weil der Termin „so günstig“ war. In der Theorie eine Investition in gemeinsame Erinnerungen, in der Praxis eine lange Abfolge von Raten, wegen denen der nächste Urlaub auf dem Balkon stattfindet.

Der vierte und fünfte Typ sind moderne Klassiker. Gaming-Setups — Konsolen, Gaming-Stühle, Monitore, Kopfhörer, Spielabonnements — wirken wie „ein einmaliger, etwas größerer Ausgabe“, doch die Realität fügt schnell DLCs, kostenpflichtige Abonnements und endlose Zusatzkosten hinzu. Und dann gibt es noch teure Kurse als Motivationsgeschenk — ein Programmierkurs für 600 Euro oder eine „Coaching-Schule, die das Leben verändert“. Wenn der Beschenkte diesen Weg innerlich nicht wirklich will, landet das Geschenk als überteuerte Sache in der Schublade, begleitet von einem schlechten Gewissen. Die Schulden bleiben, weil man ja unmöglich etwas aufgeben kann, das „so viel helfen sollte“.

So lässt man sich nicht auf Kredit-Geschenke hereinlegen

Die direkteste Methode klingt vielleicht hart: Setze eine feste Obergrenze für Geschenke und überschreite sie nicht, egal wie verlockend ein Angebot wirkt. Nicht ungefähr, sondern konkret — zum Beispiel 100 Euro insgesamt für die diesjährigen Geschenke. Schreibe die Liste der Beschenkten und die ungefähren Beträge auf, bevor du ein Geschäft betrittst oder einen Online-Shop öffnest. Wenn dich etwas deutlich Teureres anspricht, warte 24 Stunden. Dieser eine Tag wirkt wie eine kalte Dusche und rettet dich oft vor einer Impulsentscheidung.

Bei jedem teureren Geschenk stelle dir eine einzige Frage: „Würde ich das Gleiche bar kaufen, wenn ich das Geld heute in der Tasche hätte?“ Wenn die Antwort „Nein“ lautet, bist du von Druck geleitet, nicht von echtem Bedarf. Es lohnt sich auch, offen mit nahestehenden Menschen über das Familienbudget zu sprechen, auch wenn es anfangs unangenehm ist. Viele Familien haben aufgeatmet, als jemand als Erster sagte: „Hört mal, ich schaffe es dieses Jahr nicht — lasst uns symbolische Geschenke vereinbaren.“ Erstaunlich oft kommt die Antwort: „Gott sei Dank, dass das jemand gesagt hat.“

Einige einfache Regeln, die den Druck mindern:

  • statt eines teuren Gadgets — mehrere kleinere, praktische Dinge
  • statt Raten und Krediten — Geschenke, die vorab in bar bezahlt wurden
  • statt des „Wow-Effekts“ — etwas, das dem Beschenkten den Alltag wirklich erleichtert
  • statt eines weiteren Gegenstands — gemeinsam verbrachte Zeit, ohne Schulden
  • statt so zu tun, als könnten wir es uns leisten — ein ehrliches Gespräch, das Nähe schafft, nicht Illusion

Diese Liste ist kein Aufruf zur Knauserigkeit. Sie soll dafür sorgen, dass Liebe nicht in Raten gezahlt wird.

Welche Geschenkarten sind finanziell am riskantesten

Experten für Familienfinanzen weisen immer wieder darauf hin, dass die größten Probleme Geschenke mit langfristigen finanziellen Verpflichtungen verursachen. Handys mit Vertrag bedeuten oft einen Zweijahresvertrag mit dem Anbieter, bei dem die monatliche Zahlung die Rate für das Gerät selbst verbirgt. Umfragen zeigen, dass deutsche Familien für Handytarife bis zu 30 Prozent mehr zahlen als nötig — gerade wegen solcher kombinierten Pakete.

Spielekonsolen wie PlayStation oder Xbox wirken wie ein einmaliger Kauf. Doch zur Basiskonsole für 500 Euro kommen bald Spiele für 70 Euro, ein Abo für 15 Euro monatlich, zusätzliche Controller, ein Headset und womöglich ein Gaming-Monitor dazu. Die Gesamtinvestition in ein Gaming-Setup übersteigt im ersten Jahr leicht 1.000 Euro. Experten für Finanzkompetenz warnen, dass genau diese schleichenden Kosten von Familien systematisch unterschätzt werden.

Smartwatches und Fitness-Tracker bringen ein ähnliches Dilemma mit sich. Eine Apple Watch für 400 Euro erfordert ein iPhone, kostenpflichtige Gesundheits-Apps, möglicherweise ein Musikabo. Garmin-Uhren für Läufer führen wiederum zum Kauf weiterer Sportausrüstung. Teure Elektronik weckt Erwartungen — wenn man bereits eine Uhr für mehrere Hundert Euro besitzt, scheint es logisch, noch Laufschuhe für 150 Euro hinzuzufügen.

Woran man erkennt, dass ein Geschenk die eigenen Möglichkeiten übersteigt

Finanzberater empfehlen einen einfachen Test: Würdest du sofort entscheiden und bar bezahlen? Falls nicht, ist der Zeitpunkt und die Art wahrscheinlich nicht die richtige. Ein weiteres Warnsignal ist das Bedürfnis, einen Kredit oder eine aufgeschobene Zahlung in Anspruch zu nehmen. Wenn ein Händler „null Prozent“ oder „Sie zahlen erst in drei Monaten“ anbietet, bedeutet das in der Regel, dass die Ware überteuert ist und diese Instrumente im Preis einkalkuliert sind.

Das Familienbudget sollte einen Posten „Geschenke“ enthalten, genauso wie „Lebensmittel“ oder „Transport“. Experten für persönliche Finanzen empfehlen, jeden Monat einen kleinen Betrag für Weihnachts- und Geburtstagsgeschenke zurückzulegen — in der Regel 5 bis 10 Prozent des Nettoeinkommens. Für eine Familie mit einem monatlichen Einkommen von 3.000 Euro bedeutet das 150 bis 300 Euro jährlich für alle Geschenke. Sobald man diese Summe auf Familie und Freunde aufteilt, erkennt man schnell, was realistisch ist.

Entscheidend ist auch, zwischen echtem Bedarf und sozialem Druck zu unterscheiden. Wenn man ein Geschenk kauft, weil „alle Eltern in der Klasse ihren Kindern ein iPhone schenken“, handelt es sich nicht um den Bedarf des Kindes — es geht um die eigene Angst vor der Bewertung durch andere. Diese Art von Angst ist die teuerste Kaufmotivation, die es gibt. Untersuchungen zeigen, dass Eltern im Schnitt 40 Prozent mehr für Kindergeschenke ausgeben, wenn sie wissen, dass ihre Kinder die Geschenke mit Freunden vergleichen werden.

Was tun, wenn man bereits in der Schuldenfalle durch Geschenke sitzt

Der erste Schritt ist immer eine Bestandsaufnahme. Schreibe alle Raten, Kredite, Kreditkartenschulden und deren Zinssätze auf. Eine Kreditkonsolidierung ergibt nur dann Sinn, wenn sie die Gesamtkosten tatsächlich senkt — nicht wenn sie die Laufzeit lediglich verlängert. Priorität sollten Schulden mit dem höchsten Zinssatz haben: Kreditkarten haben oft Zinsen von über 20 Prozent jährlich.

Der zweite Schritt ist die Kontaktaufnahme mit Gläubigern. Viele Banken und Kreditgeber bieten Zahlungsaufschübe oder eine Reduzierung des monatlichen Betrags bei nachgewiesenen Schwierigkeiten an. Es ist besser, proaktiv anzurufen, als auf Mahnungen zu warten. Gemeinnützige Organisationen bieten kostenlose Schuldenberatung an, die dabei hilft, Ratenzahlungen auszuhandeln und realistische Lösungen zu finden.

Der dritte Schritt ist eine Verhaltensänderung. Wenn man jedes Weihnachten in Schwierigkeiten gerät, ist es Zeit, ein System einzuführen. Zum Beispiel ein Sparkonto einrichten, auf das jeden Monat automatisch ein fester Betrag für zukünftige Geschenke überwiesen wird. Man gibt der Bank den Dauerauftrag, jeden Fünften im Monat 30 Euro zu überweisen — und hat bis Dezember 330 Euro ohne einen einzigen Kredit und ohne eine einzige schlafl ose Nacht. Diese einfache Methode funktioniert für tausende deutsche Familien.

Das Geschenk, das nicht ruiniert: ein Perspektivwechsel

Sobald man zwei Begriffe voneinander trennt — den Wert des Geschenks und den Wert der Beziehung — wird plötzlich alles leichter. Eine Kleinigkeit, begleitet von aufrichtig gemeinten Worten, kann einen tieferen Eindruck hinterlassen als das neueste glänzende Gadget. Der Mut zu sagen „Ich kann mir dieses Jahr keine teure Sache leisten, aber ich möchte dir etwas geben, das mir wirklich etwas bedeutet“ ist fünf Minuten lang unangenehm. Dafür baut es über Jahre etwas auf, das keine Rate „0 Prozent“ bieten kann: Vertrauen.

Versuche, dich an Geschenke aus deiner Kindheit zu erinnern. Du denkst eher an die Atmosphäre als an ein bestimmtes Spielzeug. Destruktive Geschenke haben eine gemeinsame Eigenschaft — sie entstehen aus Angst. Aus der Angst, als schlechter, ärmer oder weniger liebevoll zu gelten. Aus der Angst, dass das Kind es „schlechter hat“ als Freunde. Dabei sind es nicht Konsolen und Handys, die Kindern beibringen, wie finanzielle Sicherheit aussieht — sondern unsere alltäglichen Entscheidungen.

Wenn Kinder Jahr für Jahr beobachten, wie wir „im Namen der Feiertage“ in eine Schuldenspirale geraten, nehmen sie eine klare Botschaft mit nach Hause: Gefühle sind wichtiger als ihre Konsequenzen. Wenn sie aber sehen, dass wir in der Lage sind zu sagen „Wir können uns das nicht leisten, wir machen es anders“, lernen sie, dass Grenzen eine Form von Fürsorge sind. Und das ist ein Geschenk, das ihr ganzes Leben für sie arbeitet.

Psychologen betonen, dass Kinder gemeinsame Zeit mehr schätzen als materielle Dinge. Ein Ausflug in den Wald mit Taschenlampe und Picknick hinterlässt eine stärkere Erinnerung als ein Tablet für mehrere Hundert Euro. Erwachsene überschätzen dabei den materiellen Wert von Geschenken systematisch — Umfragen unter Paaren zeigen, dass Partner Aufmerksamkeit und Verständnis am meisten schätzen, nicht den Preis eines Gegenstands. Das wertvollste Geschenk ist oft jenes, das Zeit gekostet hat, nicht Geld.

Author

  • Anja Klein ist eine professionelle Journalistin und Fotografin, die ihr Hobby zu einem groß angelegten Medienprojekt ausgebaut hat. Sie kaufte einen typischen deutschen „Klassischen Schrebergarten“ (ein kleines Mietgrundstück innerhalb der Stadtgrenzen) und dokumentiert seitdem jeden Schritt seiner Umgestaltung. Ihr Blog vereint visuelle Inspiration mit akribischer Praxis.

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