Stellungnahme zum Bebaungsplan Nr. 97 „Hohes Feld/ Am Kuhberg“ Planungskonzept

 

Von dem oben genannten Bebauungsplan Nr. 97 „Hohes Feld/ Am Kuhberg“ bin ich als Anwohner betroffen. Ich selbst bin auf dem Bauernhof Maaßen an der Hackfurthstraße 205 aufgewachsen. Ich habe meine Kindheit und meine Jugend in Feldhausen verbracht. Ich bin hier zum Kindergarten, zur Schule und in die Kirche, zum Fußball, zu den Messdienern, zum Kinderchor, usw. gegangen. Heute verbringe ich einen großen Teil meiner Freizeit im Dienst für die Freiwillige Feuerwehr Feldhausen. Kurzum ich bin tief in Feldhausen verwurzelt. Diese tiefe Verbundenheit mit dem Ortsteil führte auch dazu, dass ich unbedingt ein Haus in Feldhausen kaufen wollte um hier eine Familie zu gründen. Dies gelang im Jahr 2014. Meine Frau und ich entschieden uns ein Haus am Grünen Weg 20 zu erwerben und unternahmen große finanzielle Anstrengungen um dies realisieren zu können. In der Zwischenzeit wurde unser Glück durch unsere drei geliebten Kinder komplett. Wir sind hier sehr glücklich und sehen unser Glück nun durch die geplante Bebauung gefährdet. Die zu erwartenden Straßenbaubeiträge können wir finanziell nicht stemmen und stehen daher vor der Privatinsolvenz. Das Haus müssten wir wohl verkaufen und wissen nicht wie es sonst weitergehen soll.

Neben unseren persönlichen Sorgen denke ich auch an die Gesamtsituation meines Ortsteils und an andere Punkte.

Ich bitte daher folgende Punkte in den Planungen zu berücksichtigen:

Straßenbaubeiträge

Wie bereits oben erwähnt sind wir als Anwohner daran interessiert die anfallenden Straßenbaubeiträge möglichst niedrig zu halten. Wir bitten daher auf eine Neugestaltung der Straße Grüner Weg zu verzichten. Für uns reicht der jetzige bauliche Zustand vollkommen aus. Wir benötigen keinen Bürgersteig, keine Parkbuchten, keine Begrünung oder sonstiges.

Falls eine Neugestaltung der Straße Grüner Weg zwingend erforderlich sein sollte, bitten wir diese möglichst kostengünstig auszuführen. Insbesondre Bitten wir darum auf überteuerte Maßnahmen wie Pflastersteinbelag, Parkbuchten, Straßenbegrünung, Kanaldeckel mit Stadtwappen etc. zu verzichten. Hier bitten wir darum, dass wir als Anwohner bei der konkreten Planung der Gestaltung der Straßen beteiligt werden.

Konkret für unser Grundstück (Grüner Weg 20) nutzten wir zurzeit den städtischen Aschestreifen als Parkfläche. Bei einem möglichen Ausbau der Straße bitten wir beide Einfahrten zu unserem Grundstück offen zu halten.

 

Verkehrsführung

Für unsere Kinder stellt der Grüne Weg und das Hohe Feld den Kindergraten und demnächst hoffentlich auch den Schulweg (sofern wir das Glück haben und einen der begehrten Schulplätze bekommen) dar. Wir gehen zumeist zu Fuß oder fahren mit dem Fahrrad zum Kindergarten. Am Grünen Weg gibt es noch mehr Familien mit Kindern im entsprechenden Alter. Es sollten Maßnahmen geben, die einen sicheren Schul- und Kindergartenweg, auch während der Bauphase ermöglichen. Z.B: durch entsprechende Absicherungen etc.

Die Kreuzung Grüner Weg/ Dorstener Straße könnte zu einer gefährlichen Kreuzung werden, da die Straße zur Erschließung des Bebauungsplans 96 genau im Kreuzungsbereich auf den Grünen Weg trifft. Leider ist in dem veröffentlichen Plan keine Straße zur Erschließung der Mehrfamilienhäuser an der Dorstener Straße zu erkennen, aber auch diese Straße könnte in dem Bereich auf den Grünen Weg führen. Hier könnte es zu einem Gefahrenschwerpunk kommen, denn Leute die von der Dorstener Straße in den Grünen Weg einbiegen müssen neben dem Gegenverkehr, Fußgängern und Radfahrern auf der Dorstener Straße auch die Fahrzeuge im Auge haben, die aus den neu entstehenden Straßen auf den Grünen Weg einbiegen im Blick haben. Hinzu kommt noch, dass der Verkehr durch die neuen Wohneinheiten zunehmen wird. Hier sind eventuell Maßnahmen erforderlich, die die Gefahren zu entschärfen. Der Grüne Weg ist auch der Kindergarten- und Schulweg für unsere Kinder.

 

Überlastung Kindergarten und Schule

Der Kindergarten und die Grundschule in Feldhausen sind völlig überlastet. Beide Instituionen können aktuell bei weitem den Bedarf für die Kinder aus Feldhausen nicht decken. In Kirchhellen ist die Situation noch dramatischer. Selbst die weiterführenden Schulen wie die Sekundarschule weist viele Kinder aus Feldhausen und Kirchhellen ab, weil sie für die Anzahl an Schülerinnen und Schülern, die durch die vielen Neubaugebiete entstehen nicht ausgelegt sind. Von vielen Familien aus Feldhausen kenne ich die dramatische Situation, wenn die eigenen Kinder keinen Kindergartenplatz und Schulplatz in Feldhausen bekommen. Als wir im Jahr 2017 zum ersten Mal einen Kindergartenplatz benötigten haben wir diesen ebenfalls nicht bekommen. Das stellte für uns eine existenzbedrohende Situation dar.

Der Verweis auf umliegende Gemeinden kann in eine Stadt, die den Klimanotstand ausgerufen hat nicht gelten, denn der Kindergarten und die Grundschule in Feldhausen sind zu Fuß und mit dem Fahrrad zu erreichen, während andere Ortsteile oder Kommunen mit dem Auto angefahren werden. Wenn eine Familie jeden Tag ihr Kind von Feldhausen nach Kirchhellen zum Kindergarten und zur Grundschule mit dem PKW bringt erzeugt das einen CO2 Ausstoß von ca. 5 Tonnen. Wohlgemerkt für jede Familie die fahren muss.

Wenn man mit 1,5 Kindern pro Wohneinheit rechnet, fehlen 90 Kindergarten und Schulplätze in Feldhausen. Dazu kommen noch die zu erwartenden Kinder aus dem Bebauungsplan 96 (15 Wohneinheiten).

Mir erschließt sich nicht, wie die vorhandene Infrastruktur im Bereich der Kinderbetreuung und Bildung diese zusätzliche Belastung aufnehmen soll. Aus meiner Sicht wäre es das vernünftigste mit dem Bebauungsplan noch mindestens 10 Jahre zu warten. Bis dahin haben die Kinder aus den Neubaugebieten „Westlich von Gahlen Straße“ und „Gertskamp“ die Feldhausener Einrichtungen durchlaufen und es werden wieder Kapazitäten frei.

Ich bitte hier auch um Einbindung des Fachbereichs Jugend und Schule und Vergleich mit dem Bedarf an KiTa- und Schulplätzen aus dem Baugebiet „Gertskamp“. Mich würde sehr interessieren wo die zusätzlichen Plätze entstehen.

 

Arten- und Umweltschutz

Im Bereich des Arten- und Umweltschutzes habe ich ebenfalls Bedenken gegen die geplante Bebauung. Neben den bereits durch den Abriss des Hofes Hemming am Kuhberg vernichteten Lebensraums der Arten Steinkauz und Zwergfledermaus, die zwar umgesiedelt wurden, deren Nahrungshabitate und Lebensräume aber durch zunehmende Versiegelung immer weiter beschnitten werden. Insbesondere die Feldmauspopulation sowie die Insekten auf den Naturbelassenen Distelflächen werden diesen Arten fehlen.

Daneben konnte ich bei Spaziergängen planungsrelevante Vogelarten in den extensiv bewirtschafteten Flächen beobachten. Hier sind Kibitz, Feldlerche und Rebhuhn zu nennen, die ich schon mehrfach beobachten konnte. Weiterhin kann man in der Hecke des Hauses Lippweg 187a, die entlang der Straße Hohes Feld führt immer wieder Feldsperlinge zu Gesicht bekommen.

Alle diese schützenswerten Arten werden aus Ihren Lebensräumen verdrängt.

 

Entwicklungskonzept Ortsteil Feldhausen

Seit Jahren wird das Dorf Feldhausen mit Wohnbebauung erweitert. Gleichzeig fehlt dem Stadtteil wichtige Infrastruktur. Es gibt weder Einkaufsmöglichkeiten für den täglichen Bedarf (Backwaren, Lebensmittel, Zeitungen) noch ärztliche Versorgung noch Tankstellen oder sonstige Nahversorgung. Auch in diesem Bereich weise ich auf den Klimanotstand hin und die Tatsache, dass die Menschen aus Feldhausen am Wochenende zum Brötchenholen nach Kirchhellen, Gladbeck oder Dorsten fahren. Die CO2 Bilanz für die fehlende Nahversorgung wird allein durch das Brötchenholen katastrophal ausfallen.

Auch die Menschen mit Wohnberechtigungsschein, die in die Mehrfamilienhäuser einziehen sollen, werden durch die Situation zusätzlich belastet. Diese müssten ihre Einkäufe mit dem Bus oder dem Fahrrad über viele Kilometer transportieren. Im Krankheitsfall müssten sie mit dem Bus zum Arzt fahren, was sehr belastend sein kann. Man denke an kleine Kinder oder ältere Menschen.

Ich vermisse hier ein Konzept der Stadt Bottrop, wie ein Dorf wie Feldhausen im ländlichen Raum zukunftsfähig entwickelt werden kann. Man müsste sich dazu Gedanken machen, wie man es schaffen kann die Nahversorgung sicherzustellen und dies mit sinnvoller Wohnbebauung zu kombinieren.

 

Naherholungsraum

Der Naherholungsraum zwischen den Feldern und Wiesen, der von uns und vielen anderen Bürgern stark genutzt wird geht verloren. Grade der aufgelockerte Charakter der Bebauung ist ein Landschaftselement und macht den Ortsteil so lebenswert. Diese Landschaft ist auch als Landschaftsschutzgebiet geschützt. Hier sollte aus meiner Sicht zumindest als Ausgleich neue Wege durch Felder und Wiesen zum Spazieren, Spielen und Radfahren geschaffen werden.

 

Mögliche Dioxinbelastung

Der vorhandene Aschestreifen neben der Asphaltfahrbahn am Grünen Weg könnte mit Dioxin belastet sein. Die Vorbesitzerin unseres Hauses teilte uns mit, dass die Stadt hier Kieselrot eingebracht hat. Bei Straßenbaumaßnahmen könnte diese rote Asche betroffen sein und müsste entsprechend entsorgt werden.


Drucken